Woran erkenne ich gute Finanzberatung?
Eine gute Beratung fühlt sich nicht wie ein Verkaufsgespräch an. Sie hilft Ihnen, eine Entscheidung zu verstehen und selbst zu tragen.
Das Ziel kommt zuerst
Bevor über Verträge oder Geldanlagen gesprochen wird, sollte klar sein, was Sie erreichen möchten. Es macht einen Unterschied, ob Geld für einen festen Zeitpunkt gedacht ist oder möglichst flexibel bleiben soll. Bei einer produktbezogenen Beratung geht es schnell darum, welches Produkt vermeintlich zu Ihnen passen soll. Ein konkretes Beispiel: Sie kommen mit dem sehr validen Wunsch, für Ihr Kind früh für die Altersvorsorge vorzusorgen, und bekommen eine private Rentenversicherung, die ab Rentenbeginn ausgezahlt wird. Das kann eine Lösung sein, muss es aber nicht. Viel sinnvoller ist es, sich zunächst Gedanken über das Ziel zu machen – in diesem Beispiel: Die gesetzliche Rente meines Kindes wird bei Renteneintritt gering ausfallen, das heißt, ich möchte sie durch private Vorsorge aufstocken. Mein Ziel ist es also, über einen langen Anlagehorizont regelmäßig so viel Kapital wie möglich anzusparen.
Wer sofort eine Lösung präsentiert, weiß noch zu wenig über dein eigentliches Problem.
Führen wir das Beispiel etwas weiter. Ihnen wird eine private Rentenversicherung für Ihr Kind vorgeschlagen, mit dem Argument, diese Anlageform sei besonders sicher, weil ein Teil der Anlagesumme garantiert wird. Sie sollten sich aber fragen, ob das in diesem Fall überhaupt passend ist. Sicherheit ist natürlich sinnvoll – wenn allerdings ein bestimmter Anteil der Anlagesumme garantiert wird, heißt das im Umkehrschluss meistens, dass Ihnen eine Versicherung angeboten wird. Das war aber gar nicht Ihre Frage. Viel wichtiger ist es, unterschiedliche Lösungen aufzuzeigen und abzuwägen. Zum Beispiel könnten Sie auch einen einfachen ETF-Sparplan nutzen, der auf Ihr Kind läuft – mit geringen Kosten und der Möglichkeit, dass Ihr Kind bereits mit Volljährigkeit frei über das Geld verfügen kann, die angesparte Summe also auch für das Studium genutzt werden kann. Eine andere Alternative wäre, einen eigenen Sparplan zu nutzen und Ihrem Kind das angesparte Kapital später als Schenkung zu übertragen. Sie sehen also: Es gibt mehrere Optionen, und diese sollten immer abgewogen werden – hinsichtlich Ziel, Anlagehorizont, Risiko und Kosten. In einer ganzheitlichen Beratung wird alles auf die Waage gelegt und verglichen. Ein guter Beratender ist hier transparent und zeigt Ihnen verschiedene Lösungen, nicht eine, die vermeintlich auf Sie zugeschnitten ist.
Kosten und Interessen sind klar
Wie schon in unserem Artikel zu den Kosten in der Beratung beschrieben: Wenn Ihr Beratender ein gebundener Vermittler ist, darf er ausschließlich Produkte eines Produktgebers vermitteln, oft die eines Versicherers, z. B. der Generali. Das muss nicht schlecht sein, schränkt aber das Produktuniversum ein, das in der Beratung betrachtet wird. Am wichtigsten beim Thema Kosten sind nicht nur die Kosten der Beratung selbst, sondern auch die Produktkosten: Sind diese variabel über die Anlagedauer verteilt? Gibt es fixe Transaktionskosten? Entstehen zusätzliche Kosten in der Auszahlphase? Variable Kosten skalieren mit wachsender Anlagesumme mit, sofern sie nicht gedeckelt sind – das heißt, sie schmälern die Nettorendite.
Auch Beratung gegen Honorar ist nicht automatisch gut. Eine klare Vergütung macht mögliche Interessenkonflikte aber sichtbar.
Auf dieser Seite und in diesem Ratgeber geht es uns vor allem um Transparenz in der Beratung. Sie vertrauen Ihrem Beratenden Ihre (finanziellen) Lebensziele an. Das ist eine große Verantwortung. Das Mindeste, was Sie erwarten können, ist dieselbe Transparenz zurückzuerhalten, die Sie ihm entgegenbringen. Das schafft Vertrauen und ist eine essenzielle Basis für eine langfristige Beratungsbeziehung.
Sie verstehen die Empfehlung
Wenn Sie nach der Beratung nur Bahnhof verstehen, ist das kein gutes Zeichen. Der Beratende sollte Ihnen die Lösung so präsentieren können, dass Sie sie in vollem Umfang verstehen. Sie haben jederzeit das Recht nachzufragen, vor allem wenn es um den Abschluss eines langfristigen Vertrags geht. Eine Lösung muss nicht komplex sein. Wenn ein Produktvertrag mit vielen Fachbegriffen gespickt ist, ist das oft ein Zeichen dafür, dass er etwas zu verbergen versucht. Seien Sie besonders vorsichtig bei Formulierungen wie „im Produkt eingepreist", „Garantien" oder „auf Sie zugeschnitten".