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Wichtige Begriffe, die Sie kennen sollten

Es geht nicht darum, dass Sie Ihr eigener Finanzberater werden. Allerdings sollten Sie ein paar grundsätzliche Konzepte verstehen, damit Sie ein Gespräch auf Augenhöhe führen können. Der Grund ist einfach: Wer die Begriffe kennt, merkt schneller, ob eine Empfehlung tatsächlich zum eigenen Ziel passt oder ob im Gespräch eigentlich über etwas ganz anderes geredet wird. Sie müssen keine Produkte bewerten können. Sie sollten aber erkennen, wann eine Antwort ausweicht. Eine Sache vorweg, die wir in unserem Artikel zu den Kosten in der Beratung ausführlicher behandeln: Klären Sie am Anfang, mit wem Sie es zu tun haben. Ein gebundener Vermittler, ein Makler und ein Honorarberatender arbeiten unter unterschiedlichen Voraussetzungen und haben ein unterschiedlich großes Produktuniversum zur Verfügung. Das ist keine Frage von gut oder schlecht, aber es beeinflusst, welche Lösungen überhaupt auf den Tisch kommen.

1. Anlageziel und Anlagehorizont

Das Ziel beschreibt, wofür das Geld gedacht ist. Der Anlagehorizont beschreibt, wann Sie darauf zugreifen möchten. Beides gehört an den Anfang jeder Beratung, noch vor jedem Produktnamen. Der Unterschied ist erheblich. Fünf Jahre bis zur Eigenkapitalquote für eine Immobilie sind etwas völlig anderes als 25 Jahre bis zum Ruhestand. Kurze Zeiträume vertragen keine großen Schwankungen, weil schlicht die Zeit fehlt, sie auszusitzen. Lange Zeiträume vertragen sie sehr wohl, und genau daraus entsteht Spielraum. In der Praxis haben Sie selten nur ein Ziel. Meistens laufen mehrere gleichzeitig, jedes mit einem eigenen Zeitpunkt und einem eigenen Betrag. Wenn diese Ziele im Gespräch nicht sauber getrennt werden, landen sie am Ende in einer einzigen Lösung, die zu keinem davon richtig passt.

2. Liquidität und Notgroschen

Liquidität beschreibt, wie schnell Sie an Ihr Geld kommen, ohne dabei Verluste hinnehmen zu müssen. Tagesgeld ist hochliquide. Eine vermietete Wohnung ist es nicht, und eine langlaufende Versicherung meistens auch nicht. Der Notgroschen ist die Reserve für alles, was nicht planbar ist. Kaputte Waschmaschine, Autoreparatur, ein paar Monate ohne Einkommen. Als Orientierung werden häufig drei bis sechs Monatsausgaben genannt, gut erreichbar auf einem Tagesgeldkonto. Dieser Punkt kommt vor allem anderen, und zwar aus einem sehr praktischen Grund: Wer keine Reserve hat, muss im ungünstigsten Moment verkaufen oder einen Vertrag beitragsfrei stellen. Genau dann, wenn die Kurse unten sind oder die Kosten schon bezahlt sind. Eine gute Beratung fragt deshalb zuerst nach Ihrer Liquidität und erst danach nach Ihrer Sparrate.

3. Asset Allocation

Die Asset Allocation ist die Aufteilung Ihres Vermögens auf verschiedene Anlageklassen: Aktien, Anleihen, Immobilien, Tagesgeld, gegebenenfalls Rohstoffe. Für das langfristige Ergebnis ist diese Grundaufteilung in aller Regel bedeutsamer als die Frage, welches konkrete Produkt Sie innerhalb einer Klasse wählen. Anders gesagt: Ob Sie 70 oder 30 Prozent Aktienquote fahren, wirkt sich stärker aus als die Wahl zwischen zwei ähnlichen Fonds. Deshalb ist es ein Signal, wenn ein Gespräch sehr schnell bei einem einzelnen Produkt landet, ohne dass vorher über die Aufteilung gesprochen wurde. Fragen Sie in diesem Fall nach, wie das Gesamtbild aussehen soll und warum genau so. Ein guter Beratender kann Ihnen die Struktur erklären, bevor er über den Inhalt spricht.

4. Diversifikation

Diversifikation bedeutet, das Geld auf viele verschiedene Werte zu verteilen, damit ein einzelner Ausfall nicht das gesamte Ergebnis bestimmt. Gestreut wird dabei auf mehreren Ebenen: über Anlageklassen, Regionen, Branchen und einzelne Unternehmen. Ein Depot aus fünf deutschen Aktien ist deutlich weniger gestreut, als es auf den ersten Blick wirkt, weil alle fünf Werte an derselben Konjunktur hängen. Umgekehrt kann ein einzelner breit aufgestellter Indexfonds bereits mehrere tausend Unternehmen abdecken. Ein Punkt, der oft übersehen wird: Ihre Diversifikation endet nicht am Depot. Wenn Sie Aktien Ihres eigenen Arbeitgebers halten, hängen Ihr Einkommen und ein Teil Ihres Vermögens am selben Unternehmen. Bei einer ganzheitlichen Beratung gehört diese Betrachtung mit auf die Waage.

5. Risikotragfähigkeit und Risikobereitschaft

Diese beiden Begriffe werden häufig vermischt, obwohl sie sehr unterschiedliche Dinge beschreiben. Die Risikotragfähigkeit ist objektiv. Sie beantwortet die Frage, wie viel Verlust Sie sich finanziell leisten können, ohne dass Ihre Planung ins Wanken gerät. Sie ergibt sich aus Einkommen, Rücklagen, Verpflichtungen und Anlagehorizont und lässt sich weitgehend ausrechnen. Die Risikobereitschaft ist subjektiv. Sie beantwortet die Frage, wie viel Schwankung Sie aushalten, ohne schlecht zu schlafen oder im Abschwung panisch zu verkaufen. Beides muss zusammenpassen, und zwar nach unten. Wer hohe Tragfähigkeit, aber geringe Bereitschaft hat, sollte sich nicht zu einem Portfolio überreden lassen, das er in der ersten schlechten Phase nicht durchhält. Der teuerste Fehler ist selten die falsche Anlageklasse, sondern der Ausstieg zum falschen Zeitpunkt.

6. Volatilität

Volatilität ist das Maß für die Schwankungsbreite einer Anlage. Hohe Volatilität heißt, dass sich der Wert stark nach oben und nach unten bewegt. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Schwankung und Verlust. Ein gefallener Kurs wird erst dann zu einem realisierten Verlust, wenn Sie tatsächlich verkaufen. Genau deshalb hängt so viel am Anlagehorizont: Zeit ist das, was Schwankung erträglich macht. Was Sie im Gespräch im Hinterkopf behalten sollten: Höhere erwartete Rendite geht in aller Regel mit höherer Schwankung einher. Wenn Ihnen jemand beides gleichzeitig anbietet, also hohe Erträge bei praktisch keinem Risiko, dann ist entweder das Risiko woanders versteckt oder die Rendite ist nicht das, wonach sie klingt.

7. Rendite: nominal, real und nach Kosten

Die Nominalrendite ist der ausgewiesene Ertrag. Die Realrendite ist das, was nach Abzug der Inflation davon übrig bleibt. Und danach gehen noch Produktkosten und Steuern ab. Ein einfaches Beispiel: Drei Prozent Ertrag bei zwei Prozent Inflation ergeben real ein Prozent. Kommt ein Prozent laufende Kosten dazu, bleibt real ungefähr nichts, und das noch vor Steuern. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob eine Anlage tatsächlich Vermögen aufbaut oder nur Kaufkraft erhält. Achten Sie außerdem darauf, ob eine genannte Zahl eine Vergangenheitsangabe oder eine Prognose ist. Beides ist zulässig, aber es ist nicht dasselbe. Und wenn eine Rendite präsentiert wird, sollten Sie fragen, ob sie vor oder nach Kosten gerechnet ist. Das ist eine der nützlichsten Fragen im ganzen Gespräch.

8. Garantie

Eine Garantie sichert Ihnen zu, dass ein bestimmter Teil Ihres eingezahlten Kapitals zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung steht. Das klingt zunächst nach reiner Sicherheit, und deshalb wird der Begriff im Verkauf gern verwendet. Eine Garantie ist aber nichts, was es umsonst gibt. Sie wird bezahlt, meistens auf zwei Wegen: über zusätzliche Kosten und darüber, dass ein Teil des Geldes sehr defensiv angelegt werden muss, um die Zusage überhaupt darstellen zu können. Dieser Teil kann dann keine Rendite mehr erwirtschaften. Bei einem Anlagehorizont von 30 Jahren kann eine Garantie deshalb genau das verhindern, weswegen Sie ursprünglich angefangen haben zu sparen. Damit ist eine Garantie nicht per se schlecht. Bei einem kurzen Horizont oder einem fest terminierten Ziel kann sie sehr sinnvoll sein. Entscheidend ist, dass Sie den Preis kennen und dass die Frage überhaupt gestellt wird: Was kostet mich diese Sicherheit an Rendite, und brauche ich sie in meinem Fall?

9. Produktkosten: TER, Ausgabeaufschlag, Effektivkosten

Die Kosten sind die einzige Größe in Ihrem Portfolio, die von Anfang an feststeht. Die Rendite ist es nicht. Schon deshalb lohnt es sich, hier genau hinzuschauen. Der Ausgabeaufschlag ist eine einmalige Gebühr beim Kauf und beträgt bei aktiv gemanagten Fonds oft mehrere Prozent der Anlagesumme. Die TER, also die Total Expense Ratio, beschreibt die laufenden jährlichen Kosten eines Fonds in Prozent des angelegten Vermögens. Sie ist allerdings nicht vollständig, weil zum Beispiel Transaktionskosten innerhalb des Fonds nicht enthalten sind. Bei Versicherungsprodukten finden Sie die Effektivkosten. Diese Angabe sagt Ihnen, um wie viele Prozentpunkte die Kosten Ihre jährliche Rendite mindern, und ist die ehrlichste Zahl im ganzen Dokument. Wichtig ist auch, wie die Kosten über die Zeit verteilt sind. Fallen sie in den ersten Jahren an oder gleichmäßig über die Laufzeit? Sind sie fix oder skalieren sie mit der Anlagesumme mit? Und entstehen in der Auszahlphase noch einmal Kosten? Der Unterschied zwischen 0,2 und 1,8 Prozent im Jahr klingt klein, summiert sich über Jahrzehnte aber zu einem erheblichen Betrag, weil die Kosten auch das mitnehmen, was das Geld sonst zusätzlich erwirtschaftet hätte.

10. Geeignetheitserklärung und Basisinformationsblatt

Zum Schluss zwei Dokumente, auf die Sie einen Anspruch haben und die selten gelesen werden. Die Geeignetheitserklärung erhalten Sie bei einer Anlageberatung. Darin muss stehen, warum die konkrete Empfehlung zu Ihren Zielen, Ihren Kenntnissen und Ihren Verhältnissen passt. Lesen Sie sie in Ruhe durch. Wenn die Begründung dort deutlich dünner ausfällt als das, was im Gespräch gesagt wurde, ist das ein Hinweis darauf, dass die Empfehlung weniger individuell ist als angenommen. Das Basisinformationsblatt, auch PRIIP-KID genannt, ist eine standardisierte Kurzübersicht zu einem Produkt. Risiko, Kosten, mögliche Szenarien, alles auf wenigen Seiten. Weil das Format genormt ist, können Sie damit zwei Produkte direkt nebeneinanderlegen und vergleichen, ohne sich durch zwei unterschiedlich aufgebaute Prospekte arbeiten zu müssen. Fragen Sie, ob Sie beide Unterlagen vorab bekommen können. Ein Beratender, der von seiner Lösung überzeugt ist, hat damit kein Problem.

Womit Sie ins Gespräch gehen

Sie müssen nicht alles wissen. Sie müssen nur genug wissen, um die richtigen Fragen zu stellen und die Antworten einordnen zu können. Nehmen Sie Ihre Zahlen mit, also Einnahmen, Ausgaben, Vermögen, Schulden und bestehende Verträge. Notieren Sie Ihre Ziele mit Zeitpunkt und ungefährem Betrag. Und unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht in eigenen Worten erklären können. Ein guter Beratender erklärt lieber ein zweites Mal, als schnell abzuschließen. Wenn Sie stattdessen Zeitdruck spüren, ist das für sich genommen schon eine Information. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab.